Marktplatz-Serenade (geschrieben von Michaela Haase) Drucken E-Mail
Dienstag, 2. Oktober 2007
So voll, wie am Samstag, den 15.09.07, hatten die Dumeklemmer ihren Marktplatz selten erlebt. Überall saßen und standen Leute, die der Einladung des Internationalen Jugendblasorchesters zur Marktplatzserenade gefolgt waren. Und sie wurden nicht enttäuscht: Unter der Stabführung von Paul Sevenich (Ratingen) und Pasi Ojala (Kokkola) boten die Jugendlichen aus Deutschland, Finnland und Russland ein höchst abwechslungsreiches Konzertprogramm.

Dieses beeindruckende Projekt war im Rahmen des Jugendkulturjahres in Kooperation mit den Partnerstädten Kokkola und Gagarin und durch Fördergelder aus Brüssel zustande gekommen. Nur 4 Tage lang hatten Ratinger Jugendliche mit ihren Gästen intensiv geprobt (die Jugendreporter berichteten), dann war auch schon der Konzerttermin heran. Nicht wenige Zuhörer hatten anfangs leise Zweifel gehegt, ob sich denn in so wenig Zeit ein solchermaßen anspruchsvolles Programm erarbeiten ließe. Doch als die ersten Takte der "Serenata“ über den Marktplatz schwebten und das Publikum verzauberten, verwehten solche Zweifel recht schnell.

Image Image

"Das war toll", lobte auch die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Korzonnek, die in ihrer Rede allen Gastfamilien und Organisatoren dankte, "Musik ist eine Weltsprache ohne Grenzen".

Nach diesem furiosen Auftakt folgte nun ein Stück aus der "Karelia-Suite" des bekannten finnischen Komponisten Jean Sibelius. Zwar zeigten sich hierbei kleinere Unsicherheiten in den Läufen, dennoch verlor das patriotische Lied über ein finnisch-russisches Grenzgebiet und den Freiheitskampf seine Wirkung nicht.

Von dort aus entführte das Orchester seine Zuhörer nach "Ross Roy", einer Schule, die in einer alten Villa untergebracht ist, und damit in Wechselbad der Gefühle. So beeindruckte es anfangs noch durch seine majestätische Lautstärke, um dann schon im nächsten Moment in fröhlichen, leicht wehmütigen Melodien zu versinken. Doch immer wurden diese aufkeimenden Erinnerungen unterbrochen vom schrillen Trillern der Flöten und den militärisch anmutenden Trommelwirbeln, symbolisch für die erwartete Disziplin, die den kleineren Soli stets einen Riegel vorschob.

Das nächste Stück, "Fabulosa" von Ossi Runne, glänzte vor allem durch das Solo des finnischen Trompeters Timo Kaivosoja, der mit seinem zugleich lockeren und kraftvollen Spiel den Marktplatz begeisterte.

Ebenso relaxt ging es dann weiter mit "Santana", dass die Schlagzeuger durch den sehr rhythmischen Aufbau richtig ins Schwitzen brachte. Für eine extra Portion Coolness sorgten hierbei die Saxophone.

Image  Image

Auf dem überfüllten Marktplatz war es mittlerweile dunkel geworden und die Nachtluft klirrte nur so vor Kälte, dennoch schlugen die ersten Töne aus A. L. Webbers "The Phantom of the Opera" die Zuhörer sofort in ihren Bann. Begann das Medley auch mit süßen, romantischen Melodien, so entlud sich die Spannung später in gewaltigen musikalischen Ausbrüchen.

Nach diesem nicht mehr zu toppenden Highlight folgte noch ein letztes jazziges Stück, das leider immer wieder vom Applaus des übereifrigen Publikums unterbrochen wurde. Ob dies ein verzweifelter Versuch war, sich warm zu halten, oder daran lag, dass die Musikschule auf den ansonsten obligatorischen Hinweis verzichtet hatte, zwischen den Sätzen nicht zu klatschen, lässt sich nicht sagen...

Als nun selbst nach mehrfachem Verbeugen des Orchesters sowie der Dirigenten, der Applaus und die Zugabe-Rufe nicht abreißen wollten, ließ Musikschulleiter Paul Sevenich schließlich durchs Mikrophon verkünden: "Ein bisschen haben wir schon damit gerechnet. Ein Stück haben wir noch." Schwungvoll und ohne auch nur im Geringsten etwas von seiner Frische verloren zu haben, gab das Internationale Jugendblasorchester nach der ersten Zugabe auch noch einmal die "Serenata" zum Besten. Anschließend rief Herr Sevenich dem begeisterten Publikum zu: "Sie sehen, das Jugendkulturjahr funktioniert!" Mit donnerndem Applaus dankten die Zuhörer ihm und allen anderen Mitwirkenden für diesen unvergesslichen Abend. 

Musikschulleiter Paul Sevenich
Musikschulleiter Paul Sevenich

Danach ging es für die jungen Musiker und ihre Gastfamilien noch zur Aftershow-Party in die Minoritenstrasse. Bei ausgelassener Stimmung unterhielt man sich, machte Abschiedsphotos und tauschte Adressen aus. Als kleines Abschiedsgeschenk stimmten die Finnen schließlich ihre Nationalhymne an. Die eine Woche, da waren sich alle einig, war viel zu kurz gewesen und alle hofften, sich irgendwann noch einmal wieder zu sehen...Vielleicht sogar schon im nächsten Jahr in Kokkola?! Schließlich musste man aber "Hyvää yötä" (gute Nacht) sagen, denn die finnischen und russischen Gäste mussten morgens schon recht früh abreisen... Näkemiin !!!

 
< Zurück   Weiter >

Jugendreporter-Login

Wer ist online?

Aktuell 9 Gäste online

Newsfeeds