|
So voll,
wie am Samstag, den 15.09.07, hatten die Dumeklemmer ihren Marktplatz selten
erlebt. Überall saßen und standen Leute, die der Einladung des Internationalen
Jugendblasorchesters zur Marktplatzserenade gefolgt waren. Und sie wurden nicht
enttäuscht: Unter der Stabführung von Paul Sevenich (Ratingen) und Pasi Ojala
(Kokkola) boten die Jugendlichen aus Deutschland, Finnland und Russland ein höchst
abwechslungsreiches Konzertprogramm.
Dieses beeindruckende Projekt
war im Rahmen des Jugendkulturjahres in Kooperation mit den Partnerstädten
Kokkola und Gagarin und durch Fördergelder aus Brüssel zustande gekommen. Nur 4
Tage lang hatten Ratinger Jugendliche mit ihren Gästen intensiv geprobt (die
Jugendreporter berichteten), dann war auch schon der Konzerttermin heran. Nicht
wenige Zuhörer hatten anfangs leise Zweifel gehegt, ob sich denn in so wenig
Zeit ein solchermaßen anspruchsvolles Programm erarbeiten ließe. Doch als die
ersten Takte der "Serenata“ über den Marktplatz schwebten und das Publikum
verzauberten, verwehten solche Zweifel recht schnell.
"Das war toll", lobte
auch die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Korzonnek, die in ihrer Rede
allen Gastfamilien und Organisatoren dankte, "Musik ist eine Weltsprache
ohne Grenzen".
Nach diesem furiosen Auftakt
folgte nun ein Stück aus der "Karelia-Suite" des bekannten finnischen
Komponisten Jean Sibelius. Zwar zeigten sich hierbei kleinere Unsicherheiten in
den Läufen, dennoch verlor das patriotische Lied über ein finnisch-russisches
Grenzgebiet und den Freiheitskampf seine Wirkung nicht.
Von dort aus entführte das
Orchester seine Zuhörer nach "Ross Roy", einer Schule, die in einer
alten Villa untergebracht ist, und damit in Wechselbad der Gefühle. So
beeindruckte es anfangs noch durch seine majestätische Lautstärke, um dann
schon im nächsten Moment in fröhlichen, leicht wehmütigen Melodien zu
versinken. Doch immer wurden diese aufkeimenden Erinnerungen unterbrochen vom
schrillen Trillern der Flöten und den militärisch anmutenden Trommelwirbeln,
symbolisch für die erwartete Disziplin, die den kleineren Soli stets einen
Riegel vorschob.
Das nächste Stück,
"Fabulosa" von Ossi Runne, glänzte vor allem durch das Solo des
finnischen Trompeters Timo Kaivosoja, der mit seinem zugleich lockeren und
kraftvollen Spiel den Marktplatz begeisterte.
Ebenso relaxt ging es dann
weiter mit "Santana", dass die Schlagzeuger durch den sehr rhythmischen
Aufbau richtig ins Schwitzen brachte. Für eine extra Portion Coolness sorgten
hierbei die Saxophone.

Auf dem überfüllten Marktplatz
war es mittlerweile dunkel geworden und die Nachtluft klirrte nur so vor Kälte,
dennoch schlugen die ersten Töne aus A. L. Webbers "The Phantom of the
Opera" die Zuhörer sofort in ihren Bann. Begann das Medley auch mit süßen,
romantischen Melodien, so entlud sich die Spannung später in gewaltigen
musikalischen Ausbrüchen.
Nach diesem nicht mehr zu
toppenden Highlight folgte noch ein letztes jazziges Stück, das leider immer
wieder vom Applaus des übereifrigen Publikums unterbrochen wurde. Ob dies ein
verzweifelter Versuch war, sich warm zu halten, oder daran lag, dass die
Musikschule auf den ansonsten obligatorischen Hinweis verzichtet hatte,
zwischen den Sätzen nicht zu klatschen, lässt sich nicht sagen...
Als nun selbst nach mehrfachem
Verbeugen des Orchesters sowie der Dirigenten, der Applaus und die Zugabe-Rufe
nicht abreißen wollten, ließ Musikschulleiter Paul Sevenich schließlich durchs
Mikrophon verkünden: "Ein bisschen haben wir schon damit gerechnet. Ein
Stück haben wir noch." Schwungvoll und ohne auch nur im Geringsten etwas
von seiner Frische verloren zu haben, gab das Internationale
Jugendblasorchester nach der ersten Zugabe auch noch einmal die
"Serenata" zum Besten. Anschließend rief Herr Sevenich dem
begeisterten Publikum zu: "Sie sehen, das Jugendkulturjahr
funktioniert!" Mit donnerndem Applaus dankten die Zuhörer ihm und allen
anderen Mitwirkenden für diesen unvergesslichen Abend.  Musikschulleiter Paul Sevenich
Danach ging es für die jungen
Musiker und ihre Gastfamilien noch zur Aftershow-Party in die Minoritenstrasse.
Bei ausgelassener Stimmung unterhielt man sich, machte Abschiedsphotos und
tauschte Adressen aus. Als kleines Abschiedsgeschenk stimmten die Finnen schließlich
ihre Nationalhymne an. Die eine Woche, da waren sich alle einig, war viel zu
kurz gewesen und alle hofften, sich irgendwann noch einmal wieder zu
sehen...Vielleicht sogar schon im nächsten Jahr in Kokkola?! Schließlich musste
man aber "Hyvää yötä" (gute Nacht) sagen, denn die finnischen und
russischen Gäste mussten morgens schon recht früh abreisen... Näkemiin !!!
|